Zivildienst-Bilanz 2022: Anzahl der Zivildiener leicht gestiegen

Staatssekretärin für Jugend und Zivildienst Claudia Plakolm
Staatssekretärin für Jugend und Zivildienst Claudia Plakolm

Im Jahr 2022 wurden österreichweit 14.370 Zivildiener zugewiesen, das sind etwas mehr als im Vorjahr. Auch der Bedarf der Einrichtung konnte in einem höheren Ausmaß abgedeckt werden. Die Bedarfsdeckung ist auf 87,8 Prozent gestiegen. Die Zivildiener waren vorallem im Rettungswesen, in der Sozial- und Behindertenhilfe und in der Altenbetreuung im Einsatz. Mit 3.283 Zuweisungen lag Wien wieder an der Spitze der Zuweisungsstatistik, gefolgt von Oberösterreich mit 2.815, Niederösterreich mit 2.302 und der Steiermark mit 1.830 zugewiesenen Zivildienern.

16.380 junge Männer haben eine Zivildiensterklärung abgegeben und sich damit für den Zivildienst entscheiden, das sind um 6,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Staatssekretärin für Jugend und Zivildienst, Claudia Plakolm, betonte die Bedeutung des Zivildienstes für den Sozialbereich: Ich bin zuversichtlich, dass wir den positiven Trend fortsetzen können. Zivildienst ist für viele Burschen der erste Berührungspunkt mit Sozialberufen und damit der Headhunter für den haupt- und ehrenamtlichen Bereich", so Plakolm.

Seit 1. Jänner 2023 erhalten Zivildiener eine deutlich höhere Grundvergütung: 536,10 Euro statt zuvor 362,60 Euro. Das käme in Zeiten der Teuerung gerade richtig, so Staatssekretärin Plakolm. Dazu kommen noch Verpflegung bzw. Verpflegungsgeld, das KlimaTicket Ö Zivildienst und (auf Antrag bei Anspruch) Wohnkostenbeihilfe und Familien-/Partnerunterhalt.

Zahlen-Daten-Fakten im Jahr 2022:

  • Zuweisungen gestiegen auf: 14.370 (+1,5% mehr als 2021)
  • Bedarfsdeckung gestiegen auf: 87,8% (+0,4% mehr als 2021)
  • gemeldeter Bedarf der Einrichtungen: 16.366 (+1,0% mehr als 2021)
  • Zivildiensterklärungen gestiegen auf: 16.380 (+6,4 mehr als 2021)
  • anerkannte Zivildienst-Einrichtungen: 1.530 mit rund 3.000 untergeordneten Einsatzstellen (etwa Bezirksstellen, Ortsstellen)
Die Österreich-Grafik zeigt, wie viele Zivildiener im Jahr 2022 in jedem Bundesland zugewiesen wurden.
Die Grafik zeigt, wie viele Zivildiener im Jahr 2022 aufgeschlüsselt nach Einsatzgebieten zugewiesen wurden.

Zuweisungen zum ordentlichen Zivildienst nach Bundesländern, Jahr 2022 

Bundesland Zivildiener in Prozent
Wien 3.283 22,85%
Oberösterreich 2.815 19,59%
Niederösterreich 2.302 16,02%
Steiermark 1.830 12,73%
Tirol 1.296 9,02%
Vorarlberg 960 6,68%
Salzburg 902 6,28%
Kärnten 548 3,81%
Burgenland 434 3,02%
Gesamt 14.370 Zivildiener  

Einsatzgebiete der Zivildiener, Jahr 2022

Einsatzgebiete Zivildiener in Prozent
Rettungswesen 5.674 39,5%
Sozial- und Behindertenhilfe 3.855 26,8%
Altenbetreuung 1.613 11,2%
Krankenanstalten 1.187 8,3%
Kinderbetreuung 584 4,1%
Katastrophenhilfe, Zivilschutz 387 2,7%
Flüchtlingsbetreuung, Integration 390 2,7%
Sozialhilfe in der Landwirtschaft 175 1,2%
Öffentliche Sicherheit, Schulwegsicherung 169 1,2%
Krankenbetreuung, Gesundheitsvorsorge 117 0,8%
Betreuung Drogenabhängiger 66 0,5%
Jugendarbeit 43 0,3%
Justizanstalten 39 0,3%
Umweltschutz 27 0,2%
Inländische Gedenkstätten 25 0,2%
Zivile Landesverteidigung 19 0,1%
Gesamt 14.370 Zivildiener  

Eingelangte Zivildiensterklärungen nach Bundesländern, Jahr 2022

Bundesland Zivildiensterklärungen in Prozent
Niederösterreich 3.441 21,01%
Oberösterreich 3.415 20,85%
Wien 2.997 18,30%
Steiermark 1.923 11,74%
Tirol 1.527 9,32%
Vorarlberg 1.109 6,77%
Salzburg 842 5,14%
Kärnten 645 3,94%
Burgenland 481 2,94%
Gesamt 16.380 Zivildiensterklärungen  

Hinweis: Die Zählung der Zivildiensterklärungen wurde nach dem Bearbeitungsdatum der Zivildienstserviceagentur vorgenommen.

Einsatzgebiete

Das größte und beliebteste Einsatzgebiet beim Zivildienst ist das Rettungswesen. Im Jahr 2022 waren rund 40 Prozent aller Zivildiener im Rettungswesen eingesetzt, gefolgt von 27 Prozent in der Sozial- und Behindertenhilfe, 11 Prozent in der Altenbetreuung und 8 Prozent in Krankenanstalten. Weitere Bereiche, in denen Zivildiener tätig sind, sind u.a. Kindergärten (Kinderbetreuung), die Katastrophenhilfe, Flüchtlingsbetreuung, landwirtschaftliche Betriebshilfe und die Öffentliche Sicherheit. Zivildiener leisten das ganze Jahr über einen unschätzbaren Beitrag für unser Sozialsystem, unterstützen Menschen dort, wo sie Hilfe brauchen", betonte Staatssekretärin Plakolm.

Zivildienst-Einrichtungen

Ende 2022 gab es österreichweit 1.530 Zivildienst-Einrichtungen mit rund 3.000 untergeordneten Einsatzstellen (etwa Bezirksstellen, Ortsstellen). Die größten Einrichtungen sind das Österreichische Rote Kreuz und der Samariterbund Österreich. Ebenfalls stark vertreten sind die Johanniter, die Lebenshilfe, Caritas, Diakonie und auch die Feuerwehrverbände. Für eine Wunschzuweisung wird empfohlen, rechtzeitig mit den Einrichtungen Kontakt aufnehmen. Freie Plätze, Einrichtungen und Kontaktinfos finden Interessierte unter Suche nach Zivildienststellen.

Bedarfsdeckung

Der Bedarf der Einrichtungen ist in den letzten Jahren auf über 16.000 gestiegen, im Jahr 2022 meldeten die Einrichtungen einen Bedarf von 16.366. Trotz der geburtenschwachen Jahrgänge, der großen Zahl an Untauglichen in den letzten Jahren (rund 28,5 Prozent waren 2021 untauglich oder vorübergehend untauglich, Zahlen für 2022 liegen der Zivildienstserviceagentur noch nicht vor) und der alternativen Freiwilligendienste konnte der Bedarf zu 87,8 Prozent gedeckt werden. Das ist eine Steigerung um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine hundertprozentige Bedarfsdeckung ist wegen kurzfristiger Ausfälle - wie Erkrankungen, Aufschub wegen Ausbildung, Befreiung aus wichtigen Gründen - nicht möglich.

Auch der Zeitpunkt spielt bei der Bedarfsdeckung eine Rolle: Während in der ersten Jahreshälfte teilweise zu wenige Zivildiener zur Verfügung stehen – da diese dann noch in Ausbildung sind – gibt es von Juli bis Jänner (das heißt nach der Matura bzw. nach dem Schulabschluss) meist ausreichend Zivildiener.

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