Zivildienst-Bilanz 2023

Pressekonferenz zur aktuellen Zivildienst -und Grundwehrdienstbilanz
Claudia Plakolm, Staatssekretärin für Jugend und Zivildienst

Mehr als 30.000 junge Burschen leisten jedes Jahr einen ganz besonderen Beitrag: Mein herzliches Dankeschön dafür! Grundwehrdienst und Zivildienst sind ein Dienst für den Staat und genau deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Voraussetzungen, das Umfeld und die Chancen in diesem Dienst immer besser werden. Ich bin daher extrem froh, dass wir in den letzten zwei Jahren in meinem Bereich, im Zivildienst, zentrale Weiterentwicklungen umsetzen konnten: die Anrechenbarkeit des Zivildienstes auf Pflegeausbildungen ist so eine Entwicklung, auf die ich sehr stolz bin. Möglich wird das mit der Grundausbildung 'Pflege', mit der die Zivis mehr Aufgaben übernehmen dürfen und so unsere Pflegeprofis entlasten. Der Zivildienst ist und bleibt der Headhunter im Sozialbereich", zeigte sich Claudia Plakolm, Staatssekretärin für Jugend und Zivildienst, bei der Pressekonferenz am 11. Jänner 2024 erfreut.

Seit 1. Jänner 2024 gibt es für Grundwehrdiener und Zivildiener erneut mehr Grundentgelt. Die Grundvergütung stieg von 536,10 Euro auf 585,10 Euro und damit um 9,14 Prozent. Zusätzlich erhalten die jungen Männer das KlimaTicket Österreich für die Dauer ihres Staatsdienstes kostenlos. Hinzu kommen noch Verpflegungsgeld oder Naturalverpflegung und gegebenenfalls Wohnkostenbeihilfe, und so weiter.

Pressekonferenz von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Staatssekretärin Claudia Plakolm zur aktuellen Grundwehrdienst- und Zivildienstbilanz, 11.01.2024

Die Zahlen 2023 im Überblick

  • Zuweisungen: 14.630 (+ 1,8% im Vergleich zu 2022)
  • Bedarfsdeckung: 89,7% (+ 1,9% im Vergleich zu 2022)
  • gemeldeter Bedarf der Einrichtungen: 16.309 (- 0,3% im Vergleich zu 2022)
  • Zivildiensterklärungen: 16.492 (+ 0,68% im Vergleich zu 2022)
  • Zivildiensteinrichtungen: 1.501 (zu 1.530 im Jahr 2022) mit rund 3.000 untergeordneten Einsatzstellen
  • seit Einführung der Teiltauglichkeit haben sich (von 2021 bis Dez 2023) rund 900 teiltaugliche junge Männer für Zivildienst entschieden, davon haben rund 500 den Zivildienst begonnen oder bereits geleistet;
Die Grafik zeigt, wie viele Zivildiener in den Jahren 1975 bis 2023 in ganz Österreich zugewiesen wurden.

Bundesländer

Im Jahr 2023 wurden österreichweit 14.630 Zivildiener den Einrichtungen zugewiesen, das sind rund 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 3.277 Zuweisungen (rund 22% aller Zugewiesenen) lag Wien wieder an der Spitze der Zuweisungsstatistik, gefolgt von Oberösterreich mit 2.939 (rund 20%) und Niederösterreich mit 2.390 (rund 16%), sowie der Steiermark mit 1.866 (rund 13%).

Die Österreich-Grafik zeigt, wie viele Zivildiener im Jahr 20023 in jedem Bundesland zugewiesen wurden.

Zuweisungen zum ordentlichen Zivildienst nach Bundesländern, Jahr 2023 

Bundesland Zivildiener in Prozent
Wien 3.277 22,40%
Oberösterreich 2.939 20,09%
Niederösterreich 2.390 16,34%
Steiermark 1.866 12,75%
Tirol 1.302 8,90%
Salzburg 907 6,20%
Vorarlberg 891 6,09%
Kärnten 620 4,24%
Burgenland 438 2,99%
Gesamt 14.630 100,0%

Einsatzgebiete

Das größte und beliebteste Einsatzgebiet beim Zivildienst ist das Rettungswesen. 40 Prozent der Zivildiener wurden den Einrichtungen im Rettungswesen zugewiesen, rund 26 Prozent zur Sozial- und Behindertenhilfe, rund 11 Prozent zu Einrichtungen in der Altenbetreuung und rund 9 Prozent zu Krankenanstalten. Weitere Einsatzbereiche, in denen Zivildiener einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft leisten, sind u.a. Katastrophenhilfe und Zivilschutz, die Flüchtlingsbetreuung, landwirtschaftliche Betriebshilfe, Kinderbetreuung oder die Öffentliche Sicherheit/Schulwegsicherung.

Die Grafik zeigt, wie viele Zivildiener im Jahr 2023 in den verschiedenen Einsatzgebieten zugewiesen wurden.

Zuweisungen zum ordentlichen Zivildienst nach Einsatzgebieten, Jahr 2023

Einsatzgebiete Zivildiener in Prozent
Rettungswesen 5.852 40,00%
Sozial- und Behindertenhilfe 3.857 26,36%
Altenbetreuung 1.653 11,30%
Krankenanstalten 1.261 8,62%
Kinderbetreuung 561 3,83%
Flüchtlingsbetreuung, Integration 398 2,72%
Katastrophenhilfe, Zivilschutz 386 2,64%
Sozialhilfe in der Landwirtschaft 181 1,24%
Öffentliche Sicherheit, Schulwegsicherung 173 1,18%
Krankenbetreuung, Gesundheitsvorsorge 127 0,87%
Betreuung Drogenabhängiger 55 0,38%
Justizanstalten 35 0,24%
Jugendarbeit 34 0,23%
Umweltschutz 23 0,16%
Inländische Gedenkstätten 20 0,14%
Zivile Landesverteidigung 14 0,10%
Gesamt 14.630 100,00%

Zuweisungen zum ordentlichen Zivildienst nach  Bundesländern und Einsatzgebieten, Jahr 2023

Einsatzgebiete Bgld Ktn Sbg Stmk Tirol Vlbg Wien Gesamt in %
Rettungswesen

223

269

1.383

924

438

702

542

268

1.103

5.852 40,00%
Sozial- und Behindertenhilfe

81

196

332

878

179

578

307

266

1.040

3.857 26,36%
Altenbetreuung

65

38

85

473

107

198

246

129

312

1.653 11,30%
Krankenanstalten

41

46

381

259

73

172

90

61

138

1.261 8,62%
Kinderbetreuung

6

5

18

221

15

28

18

57

193

561 3,83%
Flüchtlingsbetreuung, Integration

6

14

32

57

10

57

24

41

157

398 2,72%
Katastrophenhilfe, Zivilschutz

12

22

93

49

25

88

16

9

72

386 2,64%
Sozialhilfe in der Landwirtschaft

0

17

33

37

14

21

29

30

0

181 1,24%
Öffentliche Sicherheit, Schulwegsicherung

0

11

0

11

0

7

8

2

134

173 1,18%
Krankenbetreuung, Gesundheitsvorsorge

0

0

28

4

38

3

10

6

38

127 0,87%
Betreuung Drogenabhängiger

0

0

2

0

0

2

6

5

40

55 0,38%
Justizanstalten

1

0

3

8

3

4

2

1

13

35 0,24%
Jugendarbeit

1

1

0

6

2

6

1

12

5

34 0,23%
Umweltschutz

1

1

0

3

3

0

3

3

9

23 0,16%
Inländische Gedenkstätten

0

0

0

9

0

0

0

1

10

20 0,14%
Zivile Landesverteidigung

1

0

0

0

0

0

0

0

13

14 0,10%
Gesamt

438

620

2.390

2.939

907

1.866

1.302

891

3.277

14.630 100,0%
in Prozent

2,99%

4,24%

16,34%

20,09%

6,20%

12,75%

8,90%

6,09%

22,40%

100,0%

 

Bedarfsdeckung

Der Bedarf der Einrichtungen ist in den letzten Jahren auf über 16.000 gestiegen. Für das Jahr 2023 meldeten die Einrichtungen einen Bedarf von 16.309 Plätzen. Trotz der geburtenschwachen Jahrgänge, der großen Zahl an Untauglichen in den letzten Jahren (rund 26,3 Prozent waren 2022 untauglich oder vorübergehend untauglich) und der alternativen Freiwilligendienste konnte der Bedarf zu 89,7 Prozent gedeckt werden. Das ist ein Plus von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

Die Bedarfsdeckung ist im Laufe eines Jahres ausbildungsbedingt unterschiedlich hoch. Während im Frühling teilweise zu wenige Zivildiener zur Verfügung stehen – da viele junge Männer noch in Ausbildung sind und nach dem Schulabschluss eine Maturareise geplant haben  gibt es von August bis Jänner österreichweit meist ausreichend ZivildienerEine hundertprozentige Bedarfsdeckung ist wegen kurzfristiger Ausfälle (Erkrankungen, Aufschüben wegen Ausbildungen, Befreiungen von der Zivildienstleistung aus wichtigen Gründen) nicht möglich.

Die Grafik stellt die Entwicklung des gemeldeten Bedarfs der Einrichtungen, der eingelangten Zivildiensterklärungen und der Zuweisungen zum ordentlichen Zivildienst in den Jahren 1995 bis 2023 dar.

Zivildiensterklärungen

16.492 junge Männer haben sich im Jahr 2023 für den Zivildienst entschieden, das sind etwas mehr als im Jahr davor (+ 112 Zivildiensterklärungen oder + 0,68%). Die meisten Zivildiensterklärungen wurden in Oberösterreich (3.358 bzw. 20,4%), Niederösterreich (3.277 bzw. 19,9%) und in Wien (3.108 bzw. 18,8%) abgegeben. 

Einige Zivildiener aus den Bundesländern möchten den Dienst in Wien leisten. Deshalb hat Wien die höchste Anzahl an zugewiesenen Zivildienern, obwohl in Ober- und Niederösterreich die meisten Zivildiensterklärungen abgegeben wurden.

Eingelangte Zivildiensterklärungen nach Bundesländern, Jahr 2023

Bundesland Zivildiensterklärungen in Prozent
Oberösterreich 3.358 20,36%
Niederösterreich 3.277 19,87%
Wien 3.108 18,85%
Steiermark 2.064 12,52%
Tirol 1.396 8,46%
Vorarlberg 1.129 6,85%
Salzburg 1.023 6,20%
Kärnten 670 4,06%
Burgenland 467 2,83%
Gesamt 16.492 100,00%

Hinweis: Die Zählung der Zivildiensterklärungen wurde nach dem Bearbeitungsdatum der Zivildienstserviceagentur vorgenommen.

Zivildiensteinrichtungen

Österreichweit gibt es  1.501 Zivildiensteinrichtungen (Stand Dezember 2023) mit rund 3.000 untergeordneten Einsatzstellen (etwa Bezirksstellen, Ortsstellen. Die größten Einrichtungen sind das Österreichische Rote Kreuz und der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs. Ebenfalls stark vertreten sind die Johanniter, die Lebenshilfe, Caritas, Diakonie, Landeskliniken und die Feuerwehrverbände. Zivildiener können sich Einrichtungen aussuchen, solange Stellen frei sind und sie rechtzeitig mit den Einrichtungen Kontakt aufnehmen. Die freien Stellen, Einrichtungen und Kontaktinfos finden Sie unter Suche nach Zivildienst-Stellen.